Laudatio auf "Wüstenlack", gehalten bei der Preisverleihung am 22.5.99 in Dortmund
Die Welt in nicht allzuferner Zukunft: Eine Klimakatastrophe hat die Oberfläche der Erde verändert, die Pole sind abgeschmolzen, und die Wüsten haben sich ausgedehnt. Nachdem die Nationalstaaten und Machtblöcke in riesige Ballungszentren und autonome Gebiete zerfallen sind, hat ein Konglomerat multinationaler Konzerne, "Assekuranz" genannt, allen erbitterten Widerständen zum Trotz das dadurch entstandene Machtvakuum ausgefüllt und eine neue Zentralregierung errichtet. Doch das ist schon lange Geschichte und vergessen, als sich Joel Fanon, ein jugendlicher Ausreißer, Coca-Cola-Verkäufer, Wanderarbeiter und Hobbyverbrecher in der multikulturellen Großsiedlung Celfa zu einem Einbruch entschließt. Er wird dabei ertappt und gezwungen, zu einer gefährlichen Reise in die Wüste aufzubrechen, zur mysteriösen Siedlung Santa Anna, wo seine Ankunft zum Auslöser für eine dramatische Entwicklung wird. Marcus Hammerschmitt beschwört in "Wüstenlack" mit Liebe zum Detail das trostlose Bild einer Welt ohne Zukunft und ohne Hoffnung herauf, die ebenso überzeugend ist wie die sie bewohnenden Charaktere. Der Autor zieht bei dieser Geschichte voll origineller Ideen alle Register seines Könnens und schafft eine beklemmende Atmosphäre der Spannung, die den Leser von der ersten Seite an gefangennimmt und bis zum überraschenden Finale in ihrem Bann hält. Die Mehrheit der deutschsprachigen SF-Schaffenden stimmte dafür, Marcus Hammerschmitt für diese Leistung den Kurd Laßwitz Preis für die beste Kurzgeschichte des Jahres 1998 zu verleihen.
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