Verschiedene Quellen


Journal der Jugenkulturen Nov. 1999

Eine sehr böse, aber dennoch genaue, sachlich fundierte Polemik des phantastischen Suhrkamp-Literaten gegen den boomenden Esoterik-/Okkultismus-Markt inklusive der anthropologischen Rudolf-Steiner-Fangemeinde. Selbstverständlich bleiben auch die großen Kirchen nicht verschont.

(Klaus Faein)


radio EINS Berlin (6.12.1999)

"Esoterik ist die geistige Armenspeisung der Rattenfänger. Esoterik gibt Antworten auf die Frage [nach der Wahrheit] und verzichtet dabei auf den notwendigen Umweg über die Realität. Esoterik ist psychischer Anlagebetrug." So charakterisiert der junge Tübinger Autor Marcus Harnmerschmitt das (Schlacht-)Feld seiner Polemik. Seine Kampfschrift ist brillant, radikal und mutig. Hammerschmitt entlarvt die verschiedenen Erscheinungsformen der Esoterik - von Tarotkarten bis zu Computerhoroskopen - als reinen Nonsens und vor allem als skrupellose Geschäftemacherei. Und weil er kreativer daher kommt als gängige Ideologien oder Religionen, ist er so schwer zu durchschauen. In einer Zeit, in der die gesamte Gesellschaft von einer spiritistischen Pseudo-Sinnsuche unterwandert ist, ist Hammerschmitts Analyse auch eine politisch brisante Provokation.

(Kerstin Faude)


Das saarländische Kulturjournal
(Dez. 1999)

Der Tübinger Autor, bisher vor allem als Science-Fiction-Autor bekannt geworden ("Der Glasmensch", "Wind", "Target") und in den letzten Jahren mehrfach mit Literaturpreisen ausgezeichnet, legt hier einen umfangreichen Essay vor, in dem er seinem Ärger Luft macht über die Geschäftemacherei und Verdummung, die zunehmend mit Esoterik, Okkultismus, Spiritismus und New Age betrieben wird. Er verwendet diese Begriffe deckungsgleich – das ist nicht ganz richtig, aber in seiner polemischen Abhandlung durchaus sinnvoll. Und polemisch ist Hammerschmitt erklärtermaßen, schon zu Beginn, wenn er erklärt, Adornos ">Thesen gegen den Okkultismus< würden die ganze Esoterik auf einen Schlag erledigen, bewegten sie sich nicht auf einem Niveau, das kein Esoteriker je erreichen wird, ohne einen tiefgreifenden Bewußtseinswandel durchgemacht zu haben". Ausgewogen will er nicht sein, nein, Hammerschmitt will zurückschlagen, sich wehren gegen "die Zumutungen der Esoterik mit den Mitteln des Essays". Bei allem Sarkasmus und trotz seiner spitzen Feder, die er geschickt zu gebrauchen versteht, ist dies auch ein Sachbuch, und so erläutert er viele grundlegende Begriffe, zeigt die Fragwürdigkeit der dahinter stehenden oder mit ihnen verbundenen Thesen, immer wieder unterbrochen durch kurze "Wahre Geschichten". Denen fehlt manchmal der Witz, aber das nimmt dem Büchlein nichts von seiner Wirkung. Sicher könnte man manches intensiver behandeln, etwa die Astrologie oder Scientology, doch das grundlegend Wesentliche kommt vor. Hammerschmitt scheut sich nicht, deutlich zu werden bei Themen, bei denen er weit über den engen Kreis der Esoteriker hinaus Widerspruch ernten dürfte, und auch darin liegt ein Verdienst seines Essays. Beispielhaft seien genannt die Deklaration des Neoanimismus als "krankhafte Regression" und "Selbstamputation", die Hinweise auf soziobiologische bzw. stammesgeschichtliche Zusammenhänge wie auf soziologisch-ökonomische – Esoterik als "Religion der Dienstboten" –, die Kritik an esoterischem Feminimus wie an Buddhismus und Christentum und schließlich das Aufzeigen der Verbindungen von Rechtsradikalismus und Esoterik. Besonders begrüßenswert ist die sehr gründliche Auseinandersetzung mit der Anthroposophie und den Thesen Rudolf Steiners; wer nach diesen Zitaten noch dessen Rassismus leugnet, dem ist nicht zu helfen. Doch ist uns überhaupt noch zu helfen? Ein Hauch von Verzweiflung durchzieht Hammerschmitts Plädoyer für die Rationalität: "Es hat einen Geschmack von Wagenburgmentalität, von Verbohrtheit an sich, gegen die zigfache Übermacht des Gegners auf Positionen zu beharren, die kaum einen mehr interessieren. Trotzdem bleibt uns gegen die planvolle Vermischung von Wissen und Glauben, von Phantasie und Erfahrung nur das Beste an der wissenschaftlichen Tradition: die Skepsis." Es ist zu fürchten, daß dieses – bei aller Polemik und ernsten Kritik auch sehr unterhaltsame – Büchlein nur die lesen werden, die sowieso schon skeptisch sind. Es ist zu wünschen, daß es von möglichst vielen andere gelesen wird, damit diese dann Hammerschmitts letzten Ratschlag befolgen: "Sich von den Kaisern abwenden, wenn sich herausstellt, daß sie keine Kleider tragen".

(Friedhelm Schneidewind)