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| das.magazin | Ausgabe vom: 10. Oktober 2003 |
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Kirchenschätze |
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![]() Fotografische Einblicke in die panzerglasgeschützten Vitrinen. ![]() Dieses Reliquiengefäß enthält ein Holzstück vom Stab des hl. Magnus und einen Zahn. ![]() Der sog. "Hatzfeldkelch" (um 1700) aus vergoldetem Silber samt Transportgefäß aus Holz stammt aus der Marienwallfahrtskirche Laudenbach. ![]() Der romanische Bronzechristus (süddeutsch, um 1150) ist eines der ältesten Stücke der Ausstellung. ![]() In diesem Reliquienkästchen (um 1275) aus Altshausen befindet sich unter einem flach geschliffenen Bergkristall ein mumifizierter Finger, der der hl. Katharina von Alexandrien (+ um 304) zugeschrieben wird. |
Kein Prunk in kargen Zeiten Bischof Gebhard Fürst eröffnete Ausstellung "Kirchenschätze" im Rottenburger Diözesanmuseum ROTTENBURG. Es ist die zweite Schau dieses Jahres zum 175-Jahr-Jubiläum der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Im Frühjahr waren die Heiligen aus dem schwäbisch-alemannischen Raum Thema, jetzt werden im Diözesanmuseum Kirchenschätze aus dem reichhaltigen Pfarreienfundus gezeigt. Gut zwei Dutzend Exponate sind zu sehen, darunter - erstmals überhaupt nach außerhalb verliehen - bedeutende Stücke des Münsterschatzes aus Schwäbisch Gmünd. Der Titel der Ausstellung "Kirchenschätze" erinnere an "die wirklichen Schätze der Kirche", sagte Bischof Gebhard Fürst beim Eröffnungs-Festakt vor rund 90 Zuhörenden im Dom. Von der Schau solle der Impuls ausgehen, dass der christliche Glaube der Schatz sei, aus dem die Kirchenschätze hervorgehen. Nach dem Motto des diesjährigen 175-Jahr-Jubiläums der Diözese, "Gott und den Menschen nahe", sei "das Dar- und Vorgestellte Ausdruck dessen, was im Inneren gegenwärtig ist". Diese Ausstellung wolle aber nicht ?in Zeiten knapper Kassen ihre Schätze zeigen?, betonte Prälat Werner Groß, der Kunstreferent der Diözese. Vielmehr illustrierten die Exponate die katholische Liturgiegeschichte im Lauf der Jahrhunderte. Die Schätze gehörten zur Liturgie und zum Gottesdienst, "für den nichts wertvoll genug" sein könne, so Groß. Schon das Zweite Vatikanische Konzil habe die Liturgie als "Gipfel, dem das Tun der Kirche zustrebt" beschrieben. Bis zum 1. Februar sind im Souterrain des Rottenburger Diözesanmuseums wertvolle Stücke aus 14 Pfarreien zu sehen. Sie vermitteln einen Überblick über die kunsthistorischen und kulturgeschichtlichen Zeugnisse vor allem der Gold- und Silberschmiedearbeiten vom 12. bis hinein ins 20. Jahrhundert. Schwerpunkte bilden dabei das Mittelalter und die Barockzeit. So sind im Detail bestechende Turmmonstranzen, Kreuzreliquiare und Kanontafeln vom Silberaltar aus Ellwangen aus dem Jahr 1764 zu sehen. Umfangreich sind allerdings auch die Schätze der beiden Rottenburger Kirchengemeinden St. Martin und St. Moriz, aus deren Fundus beispielsweise der heilige St. Nepomuk, Weihrauchschiffchen, Vortragekreuze oder eine komplette Silbergarnitur von Messkännchen stammen. Aus den hiesigen Pfarreien werden auch der Hirrlinger Sebastianspfeil oder das korallenförmig gestaltete Kreuzreliquiar aus Hailfingen gezeigt. Von überragender Bedeutung sind Teile des Gmünder Münsterschatzes, die erstmals überhaupt außerhalb von Schwäbisch Gmünd gezeigt werden: eine kunstvolle Silberplastik etwa, ein Kreuzreliquiar aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts oder ein Pokal aus dem Besitz Kaiser Karls V. aus dem 16. Jahrhundert. Zwar gehören zur Diözese mehr als 1000 Pfarreien, doch den Organisatoren kam es bei der geringen Auswahl nicht auf Masse an Exponaten an. "Eine solch große Halle" gebe es für die vielen und teils mehrere Meter hohen Stücke gar nicht, sagte Diözesankonservator Wolfgang Urban. Der war in den vergangenen Monaten in etlichen Schatzkammern und Tresoren der Diözese unterwegs und hat sich für kleinere gold- und silbergeschmiedete Kostbarkeiten entschieden. Von Laudenbach bei Bad Mergentheim bis Wangen im Allgäu stammen die Stücke, und manche davon habe er "aus Kostengründen" selbst nach Rottenburg transportiert, sagte Urban. "Jedes Stück ist wie ein Okular, das einen Blick in die Vergangenheit gewährt", so Urban. Und es verberge viele mystische Geschichten in sich, die mangels Katalog auch nur vom Kustos selbst preisgegeben werden. Warum beispielsweise steht auf dem Ring des Fingers der heiligen Katharina von Alexandrien, ein Reliquiar aus dem Jahr 1275, (übersetzt) geschrieben: "Wenn Du so wolltest, wie ich es will, dann wäre ich froh"? Urban interpretiert es als Zeugnis der Emanzipationsgeschichte, denn jener Katharina sei kein Mann auf Erden intellektuell gewachsen gewesen, so dass sie ihn hätte ehelichen wollen. Deshalb, erklärte Museumsdirektor Urban, sei die Schutzpatronin eine mystische Verlobung mit Jesus eingegangen. INFO: Die Ausstellung ist bis 1. Februar geöffnet jeweils von Dienstag bis Freitag 14 bis 17 Uhr, samstags von 10 bis 13 und von 14 bis 17 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 17 Uhr. |
Bericht: Ralf Schick Bild(er): Erich Sommer das aktuelle magazin: Diesen Artikel pereMail versenden |
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