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| das.magazin | Ausgabe vom: 12. September 2003 |
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Die "Große Modenschau" |
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![]() Modische Ausblicke auf die kommenden Monate. ![]() Marco Hornung moderierte in der voll besetzten Festhalle. ![]() Das "Schlussbild" mit allen Akteuren und Vertretern der beteiligten Firmen. |
Zielgruppe im Visier Rottenburg mag die Modenschau solide Erster Eindruck im Festhallen-Foyer am Freitagabend: Der so transparente Neubau hat seine Probleme, wenn viel geraucht wird. In den Schwaden standen die jüngeren der fast 600 Modenschau-Gäste; einige von ihnen hatten sich dem Abend entsprechend zurechtgemacht, gestatteten sich ein bisschen Small Talk, nahmen auch mal eine Mini-Pizza. Die etwas Älteren saßen eine halbe Stunde vor Show-Beginn bereits in den nummerierten Reihen - Sitzplatzsicherung. Der Cocktail, im Eintrittspreis enthalten, barg ja auch keine Verweilqualität, so langweilig er im Glas stand: "Hoffentlich geht?s nachher auf dem Laufsteg bunter und spritziger zu!" Es ging. "Ladies and Gentlemen", rief Marco Hornung, der Moderator von der Agentur "Auftritt", in den Saal, als säßen die Hilton-Zwillinge und Rania von Jordanien in der ersten Reihe. Der Mann hatte viel vorzulesen im Laufe des Abends, Texte, die ihm die 15 beteiligten Geschäfte aus Rottenburg auf die Kärtchen geschrieben hatten. Weniger davon wäre besser gewesen. Die Mode soll Begierde wecken, nicht die Zusicherung, dass die Kundschaft kompetent bedient wird. 19 Models hatte die Agentur mitgebracht, davon vier vom Typ "stärkere Frau" und fünf junge Männer. Fast durchgängig bewegten sie sich im Stil des Videoclip-Tanzens zu aktueller oder auch mal nostalgischer Chart-Musik. Das brachte Tempo. Und weil die Models richtig lachen durften, entstand Nähe. Freude bereiteten die elf Kinder, alles Rottenburger Gewächse: Das Publikum, zu 95 Prozent Frauen, klatschte zum Rhythmus der Musik. Was gerade Mode ist, wissen die Leute ja längst, aus den Illustrierten, aus den Katalogen, aus den Schaufenstern. Naturtöne, erdige Töne, gedeckte Farben, braun, rot, oliv, wollweiß - alles sehr harmonisch. Wer so im Herbstwald stolpert, ist schwer zu finden. Cargo-Hosen mit noch mehr Gebändels dran; es sieht manchmal aus, als hätte jemand vergessen, die Hosenträger wieder über die Schultern zu spannen. Die Sport-Mode allerdings hebt sich davon stark ab: Volle Farben, viel Synthetik, auffällige Streifen. Etwas schwer haben es stets die Brillen, weil sie aus der Ferne allenfalls in ihrer Anmutung und Vielfalt zu erfassen sind. Aber Hornungs "Hinweis am Rande", dass ab Januar die gesetzlichen Kassen keine Zuzahlung mehr leisten werden, war echte Lebenshilfe, die mit Sonderbeifall belohnt wurde. Wie vorteilhaft Vorhang- und Bezugsstoffe auf dem Laufsteg zu präsentieren sind, weiß das Rottenburger Publikum aus früheren Modeschauen, am Freitagabend gab's zum Hit "Crazy in Love" von Beyoncé sogar erotische Kicks. Für die Koffer und Taschen hingegen hätte sich als Modebild eine kleine Geschichte, etwa auf dem Bahnsteig, besser geeignet als die Tänzelei. Apropos Tanzen: Die Boygroup war klasse. Die Burschen sahen nicht nur gut aus, sie tanzten präziser, knackiger als ihre Kolleginnen, und die waren beileibe nicht schlecht. Marc, der hellblonde Beau, hat Star-Appeal. "Herrjeh, könnte der eigene Gatte nur auch so mit der Hüfte schnalzen, dass die Jackett-Schöße fliegen..." Rottenburgs Männer saßen am Freitagabend wohl beim Skat ohne vier, aber mit sieben Pils. Zu Weihnachten bekommen sie wieder einen Satz Unterhosen, Modell Karl-Heinz. Kleine Rache der Frauen. Herrenunterwäsche gab's leider nicht zu sehen, aber die fürs andere Geschlecht. Nichts sei verraten, außer der Begleitmusik: Xavier Naidoo, "Ich kenn' nichts, das so schön ist wie Du." Tragbare Mode, kaufbare Mode, eine Show, die sich die beteiligten Einzelhändler/innen absolut zielgruppengerecht gestrickt hatten. Tags drauf war Mode-Tag in Stuttgart: Die Models waren 20 Zentimeter größer, zehn Kilo dürrer, sie beherrschten diesen provokativ-gelangweilten Blick, kein Tanzen, nur Hin-und-her-Stolzieren, andere Mode-Marken, andere Stile, andere Musik, andere Preise. Eine andere Welt, gerade 45 Minuten entfernt. Was ist Mode? |
Text: Gert Fleischer Bild(er): Erich Sommer das aktuelle magazin: Diesen Artikel pereMail versenden ![]() |
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