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Ausgabe vom: 29. August 2003
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Von Nonnen und Mönchen

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Gebäude der Tübinger Altstadt mit klösterlicher Vergangenheit.


Der Innenhof des Evangelischen Stifts, einst als Augustiner-Kloster gegründet.


Rund 250 Interessierte drängten sich im Speisesaal des Evangelischen Stifts.


Die Marienfigur am Pfleghof ist aus Dettenhäuser Sandstein gefertigt.


Ein Blick in die Kapelle des ehemaligen Pfleghofs des Klosters Bebenhausen.

Geschichte hinter Fassaden

Wilfried Setzler erinnerte an Tübingens einstige Klosterherrlichkeit


TÜBINGEN "Kennen Sie Tübingen?" In der beliebten Reihe sommerlicher Spaziergänge durch die Tübinger Stadtgeschichte brachte vorgestern Nachmittag Wilfried Setzler an die 250 Mitläufer/innen auf die Beine.


Ein mächtiger Pulk von Menschen schob sich aus dem Hof des Wilhelmsstifts hinaus in Richtung Hafengasse. "Ist das eine Demo?" wollte ein entgegenkommender Passant wissen. Die Frage war halb bis ganz im Scherz gestellt und blieb darum unbeantwortet. Dabei handelte es sich tatsächlich um eine Demo. Nämlich um eine Demonstration des großen Interesses an der Tübinger Stadtgeschichte. Und natürlich an dem, der sie so populär erklären kann: Wilfried Setzler, der Leiter des Kulturamts.

Setzlers Rundgang kreiste um die Jahre 1534 und 1535, als im Zuge der Reformation die damals bestehenden Frauen- und Männerklöster in Tübingen aufgehoben und deren Vermögen eingezogen wurden. Der damit entschwundenen Klosterherrlichkeit spürte die Geschichtsprozession nicht nur an bekannten Orten wie dem Evangelischen Stift nach, wo einst Augustinermönche beteten, oder dem Wilhelmsstift, das von Franziskanern erbaut wurde. Denn von der Klostervergangenheit künden noch andere Zeugen, deren Geschichte Setzler hinter den Fassaden hervorholte.

Staunend vernahm die Menge beispielsweise, dass unter dem hohen Torbogen des Restaurants Kaiser in der Kirchgasse einst Fuhrwerke mit Waren ein- und ausrollten. An dieser Stelle ließ das Kloster Gutenzell Mitte des 15. Jahrhunderts einen Klosterhof errichten, von dem aus Güter in Stadt und näherer Umgebung verwaltet wurden. Hierher hat man auch die erwirtschaftete Ernte geliefert, die dann auf dem Tübinger Markt feilgeboten wurde.

Ähnliche Funktionen hatten weitere Klosterhöfe, die unterwegs angeschaut wurden, etwa das Gebäude in der Münzgasse 7, das von 1412 an beinahe ein Jahrhundert lang als Pfleghof für das Kloster Blaubeuren diente, oder der trutzige Bau in der Pfleghofstraße, der den Zisterziensern des Klosters Bebenhausen gehörte. Gepflegt wurde in Pfleghöfen übrigens niemand und nichts. Im Mittelalter, erläuterte Wilfried Setzler, stand das Wort "pflegen" für "verwalten". In einem Pfleghof wurden also Klostergüter verwaltet, ebenso deren Naturalien gelagert, gegebenenfalls auch verarbeitet. Für Letzteres standen zum Beispiel zwei riesige Keltern im Bebenhäuser Pfleghof.

Unter den besichtigten niedergegangenen Klöstern Tübingens befand sich auch das Nonnenhaus. Deren "Klausnerinnen" gehörten keiner der großen Ordensgemeinschaften an. Nach der Reformation fand darin der berühmte Universitäts-Botaniker Leonhard Fuchs eine Wohnung.

Info:
Beim nächsten stadthistorischen Spaziergang macht Dr. Inge Jens zum 150. Geburtstag von Isolde Kurz mit einer literarischen Führung die Lebenswelt der Dichterin erneut lebendig.

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Bericht: (jol)
Bild(er): Erich Sommer


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