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| das.magazin | Ausgabe vom: 13. Juni 2003 |
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Natursteinpark Tübingen |
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![]() "Lapidare Impressionen" aus dem Tübinger Natursteinpark. ![]() Dem Gelände ist die frühere militärische Nutzung noch anzusehen. ![]() Mansche Steine haben es auch "in sich", wie dieser Schieferbrocken mit ganz fantastischen Versteinerungen. ![]() Auch Bildhauer Uwe Bürkle hat auf dem Gelände seine Werkstatt ... ![]() ...ebenso wie Gartenkünstler Dieter Walcker, der Gründer des Natursteinparks. |
Die Rettung Stein gewordener Arbeit Manuel Rongens Baustoff-Wiederverwertung im Schindhau ist bundesweit einzigartig TÜBINGEN Im Schindhau gleich neben dem Bergfriedhof liegt der Tübinger Natursteinpark. Während der Bausaison im Sommer sind dort bis zu zehn Personen damit beschäftigt, Natursteine aus alten Bauwerken zu recyceln. Damit lässt sich nicht nur Geld verdienen. Der Unternehmer Manuel Rongen will damit auch Kulturgut erhalten. Wenn jemand alte schöne Steine sucht, dann kommt er an uns nicht vorbei." Manuel Rongen präsentiert seine Handelsware vom Geländewagen aus. Ockerfarbene Mauersteine einer Dresdener Eisenbahnbrücke aus Stubensandstein, ein Gartentor aus dem rötlichen Schilfsandstein von Maulbronn, ein hoch geschütteter Kegel mit durch langen Gebrauch glatt poliertem Granitpflaster: Tonnen um Tonnen von Steinen häufen sich auf dem 20 Hektar großen Betriebsgelände beim Tübinger Bergfriedhof. Aus dem Natursteinpark versorgen sich Landschaftsgärtner und Bauunternehmer, Architekten und Privatleute, die Material für Mauern, Treppen, Pflaster oder Bodenplatten suchen. Rongens Kundschaft kommt aus ganz Baden-Württemberg, aber auch aus Berlin, Frankfurt oder München. Denn sein Natursteinhandel ist nach seinem Wissen einzigartig in Deutschland. Zumindest aus dem Unternehmerverband für historische Baustoffe ist ihm kein Mitbewerber bekannt. "Da interessieren sich die meisten nur für Türbeschläge oder Treppengeländer, vielleicht mal einen alten Sautrog. Aber ein ganzes Haus holt niemand." Das macht dann Rongen mit seinen (je nach Saison) vier bis neun Mitarbeitern. Der 36-Jährige studiert Zeitungen und recherchiert im Internet, um zu erfahren, wo alte Gebäude abgebrochen werden. Von den Gemeinden oder auch vom Denkmalamt bekommt er dagegen (sehr zu seinem Ärger) keine Hinweise auf den Abbruch wertvollen Gemäuers. Dabei kreuzt er, wenn immer es geht, vor dem Abrissbagger auf, um die historischen Baustoffe zu retten. Denn die alten Werksteine sind dem Unternehmer zur Passion geworden. Er kann nur schwer ertragen, dass sie weggeworfen werden. "Jetzt gibt es sogar Pfand auf Dosen. Aber die Steine, an denen Steinbrucharbeiter und Steinmetze ungezählte Stunden gearbeitet haben, werden einfach auf einer Deponie verklappt." Das will er verhindern. Historische Baustoffe haben, neben dem Vorzug günstiger zu sein als neu gebrochenes Material, für Rongen etliche weitere Vorteile. Seine Steine für Trockenmauern sind exakter gearbeitet als die aus heutigen Steinbrüchen. Politisch korrekt sind die Altmaterialien auch. Beim Bergfriedhof gibt es keine Wacken, die chinesische Sträflinge oder indische Kinderarbeiter abbauten. Selbst Gebrauchsspuren geben alten Steinen nicht nur edle Patina, sondern verbessern gar die Eigenschaften. Von ungezählten Füßen und Rädern glatt geschliffenes Granitpflaster lobt er, weil die Abrollgeräusche von Autoreifen darauf leiser sind. Die vor der Deponie geretteten Felsstücke sind für ihn aber nicht nur Ware, sondern auch ein nicht ersetzbares Kulturgut. "Heute könnte niemand mehr die Arbeitszeit bezahlen, die für die Bearbeitung mit Hand notwendig ist" sagt Rongen, während er die Konturen des Zierwerks an einem Brückenstein nachfährt. Mit kleinen Presslufthämmern, dem modernen Werkzeug der Steinmetze, ließe sich so etwas nicht nachbilden. Maschinell bearbeitete Werksteine haben für Rongen keine Seele. Zum Steinhandel kam Rongen durch Zufall. Dieter Walcker, der Gründer des Natursteinparks, sprach 1990 den damaligen Biologiestundenten an, um EDV- Probleme im Betrieb zu lösen. Rongen gab das Studium auf und verschrieb sich den Steinen. Zunächst arbeitete er im als Büro eingerichteten Bauwagen, damals noch auf dem Sägewerksgelände am Poltringer Ortsrand. 1993 zog das noch unter "Walcker Natursteine" firmierende Unternehmen auf die von den Franzosen geräumte militärische Übungsfläche im Schindhau-Wald. 2000 übernahm Rongen das Unternehmen, das er als eine Art Familienbetrieb führt. Sein Schwager arbeitet mit und auch ein Schulfreund. Zur Unternehmenskultur gehört auch die Pflege der Flächen rund um die Steinlagerplätze. Für Gelbbauch-Unken und Salamander ist ein Biotop angelegt gleich hinterm Bürogebäude. Der vom Bundesvermögensamt gepachtete Schindhauwald ist für Rongen die Verkaufskulisse für seine auf Wiedernutzung wartenden Baustoffe. Reich wird er mit dem Steinrecycling nicht, sagt Rongen, aber die Arbeit im Schindhauwald befriedigt ihn: "Manchmal klopfen wir uns am Ende der Woche gegenseitig auf die Schultern, weil wir wieder ein paar Steine gerettet haben. Denn es gibt nichts, was uns mehr freut, als wenn die Steine wieder eingebaut sind." |
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