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| das.magazin | Ausgabe vom: 06. Juni 2003 |
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Wurmlinger Pfingstritt |
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![]() Der Scharfrichter "köpft" den Pfingstbutz.
![]() Zum Schluss ging der "Maien" an den Pfingstbutz. Kostenloser Download |
Die Trophäe fiel an den Butz Wurmlinger Pfingstreiter zogen gestern Tausende von Zuschauern unter den Kapellenberg WURMLINGEN. Mehrere tausend Zuschauer/innen begleiteten gestern die Wurmlinger Pfingstreiter bei ihrem traditionellen Wettbewerb. Von den Jahrgängern 1983/84 organisiert, waren alle Reiter gleichermaßen gut zu Ross - oder weniger gut, je nach Sichtweise. Denn keiner der sieben Reiter konnte den verzierten Maibaum als begehrte Trophäe mit nach Hause nehmen. Profitiert vom zweimaligen Missgeschick der Wettstreiter hatte der Butz, ein in Buchenlaub eingehüllter und den jungen Sommer versinnbildlichenden Reiter. Alle zwei Jahre messen sich in Wurmlingen die Pfingstreiter. Verbrieft ist das einst noch "Pfingstdreckreiten" lautende Reiterspiel seit mindestens 1852, vermutlich aber hat das Reitspektakel mehrere Jahrhunderte auf dem Buckel. Nur während des Ersten Weltkrieges und von 1938 bis 1949 fiel die alte Dorftradition wegen des Zweiten Weltkrieges aus. Der jeweils ausrichtende Jahrgang ist dann auch für die Gestaltung des dreitägigen Rahmenprogramms unterhalb der Kapelle zuständig. Heuer boten Schießstände und Hüpfburg für die Jüngeren Abwechslung, während die Bands Crossfire und Columbia Dance Band am Abend sowie die Silverados-Countrymusiker am Sonntagnachmittag vor allerdings meist leeren Rängen unterhielten. Acht Reiter waren es dieses Jahr, die am Pfingstmontag in einem Umzug durch das Dorf hinaus zum Turnierplatz trabten, um den mit viel Brimborium versehenen Wettkampf zu eröffnen. Ein geburtenschwacher Jahrgang also, denn meistens reiten mindestens ein Dutzend Pfingstreiter um die begehrte Trophäe. Erst in den vergangenen Wochen hatten die jungen Männer mit Reitkursen begonnen und erstmals auf den von privaten Besitzern ausgeliehenen Gäulen gesessen. Zwei Mal, so das Reglement, durften die Wettreiter gestern dann nach einem ersten Proberitt gegeneinander versuchen, auf dem leicht ansteigenden Reitplatz das in der Mitte eines Sieben-Meter-Kreises stehende Maienbäumchen aus dem Feld zu ziehen. Nach einigem Gerangel am Startplatz bei der Aufstellung der Gäule preschten die Reiter dann in Wettkleidung den Hang hinauf. Beim Proberitt scheuten alle Pferde kurz vorm mit Tüchern, Reizwäsche und einem Strampelanzügle geschmückten Baum. Beim zweiten Versuch hatte der zuvor als Henker verkleidete Benjamin Kratzer den Maien schon in der Hand, doch aus dem Kreis konnte er ihn nicht ziehen. Auch beim dritten und letzten Mal schaffte keiner der sieben Reiter den Griff zum Baum - der zuvor in Buchenlaub eingehüllt durchs Dorf trabende Markus Kohler durfte als Butz den Maibaum stolz vom Felde tragen. Ironie des Schicksals: Wegen einer Prüfung in seiner Ausbildung zum Schlosser hatte Kohler auf den Wettritt mit seinen Alterskollegen verzichtet, um Verletzungen zu vermeiden, jetzt staubte ausgerechnet der 19-Jährige den Gewinn ab. Zum elften Mal erst in den vergangenen 75 Jahren strich damit der Butz den Maien ein, ansonsten hatten die Reiter das Glück auf ihrer Seite. Bei brütend heißer Sommerhitze hatte sich zuvor pünktlich um 13.30 Uhr der historische Umzug in der Dorfmitte in Bewegung gesetzt. Allen voran der Musikverein, dahinter dreizehn in historischen Kleidern angezogene Pfingstdamen, die mit spontanen Liedern ihre Jahrgangskollegen aufmunterten, und etliche verkleidete Kleinkinder. Hoch zu Ross dann die als Platzmeister, Adjutant, Fähnrich, Maienträger, Mohrenkönig, Koch, Husarenoberst und Henker verkleideten männlichen Pfingstreiter, denen der Rottenburger Fanfarenzug folgte. Und eine Kutsche, beladen mit Ortsvorsteher Werner Foitzik und Oberbürgermeister Klaus Tappeser mit Gattinnen sowie die CDU-Landtagsabgeordnete Annette Widmann-Mauz. Keinen Platz auf dem Fuhrwerk bekam dagegen Grünen-Bundestagsabgeordneter Winfried Herrmann, der sich dafür volksnah unters Publikum mischte und die Strecke mit dem Radel begleitete. Ein SWR-Team filmte das Spektakel vom Startumzug bis zur Siegesehrung im Festzelt unterhalb der Kapelle. Das Team der sonntäglichen Sendung "Treffpunkt" will den Beitrag im kommenden Jahr am Pfingstmontag als Vorschau für das Jahr 2005 zeigen - wohlwissend, dass im kommenden Jahr kein Pfingsritt in Wurmlingen stattfindet. |
Text: Ralf Schick Bild(er): Erich Sommer Multimedia: Erich Sommer das aktuelle magazin: Diesen Artikel pereMail versenden |
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