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| das.magazin | Ausgabe vom: 09. Mai 2003 |
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Pfullinger Kulturwege |
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![]() Fotos, Kunstwerke und persönliche Gegenstände aus dem Besitz von Louis Laiblin. ![]() Bürgerliche Festkleidung aus Laiblins Zeit. |
Von Hermann Hesse angepumpt Sonderausstellung zeigt Privates von Mäzen Louis Laiblin / Pfullinger Museumssaison eröffnet PFULLINGEN "Jugendstil, Aufbruch, Zeitenwende" ist das Thema der diesjährigen Pfullinger Kulturwege. Ein Motto, das passenderweise auch von den Museen, die am Samstag ihre Ausstellungen eröffneten, aufgegriffen wurde. Der Geschichtsverein zeigt einen Teil des Nachlasses des Pfullinger Mäzens Louis Laiblin, im benachbarten Trachtenmuseum sind Festkleider aus der Zeit um 1900 zu sehen. Nicht viele Städte von der Größe Pfullingens können in ihrer Geschichte einen Mäzen wie Ernst Philip Friedrich Louis Laiblin vorweisen. Der ehemalige Papierfabrikant beschenkte in seiner Heimatstadt nicht nur zahlreiche Vereine, sondern schaffte mit den Pfullinger Hallen, vom Star-Architekten Theodor Fischer geplant, auch für ein bedeutendes Baudenkmal. Durch einen 50-prozentigen Zuschuss zum Bau des Schönbergturms bescherte er der Stadt Pfullingen darüberhinaus ihr Wahrzeichen, die "Pfullinger Unterhose". Insgesamt 111 Stiftungen sind aus der Zeit zwischen 1905 und 1922 durch ihn verbürgt, er ließ die Lindenallee in der Eisenbahnstraße anlegen und spendete Geld und Bücher zur Gründung einer Volksbibliothek. Bei seinem Tod 1927 vermachte er den größten Teil seines Vermögens der Stadt. "Wir sind froh, dass es Louis Laiblin gab", erklärte Bürgermeister Rudolf Heß denn auch am Samstag bei der Eröffnung der Ausstellung. Der Bundestagsabgeordnete und Geschichtsvereins-Vorsitzende Ernst-Reinhard Beck würdigte die vielschichtige Darstellung der Ausstellung: "Sie zeigt den Privatier nicht nur als Ortsheiligen." Denn das fünfköpfige Team des Geschichtsvereins, mit Hermann Taigel als Experten, mühte sich um ein differenzierteres Bild des Ehrenbürgers, Geheimen Hofrats und Ehrensenators der Universität Tübingen. So beginnt der Rundgang auch mit einer Darstellung der Quelle des für damalige Verhältnisse nahezu märchenhaften Reichtums Laiblins - der väterlichen Papierfabrik. Und dabei wird auch nicht vergessen, den durchschnittlichen Tageslohn der Arbeiter/innen anzugeben: 2,10 Mark für Männer und gerademal 1,60 Mark für Frauen. Zum Vergleich: Ein Liter Bier kostete damals um die 30 Pfennige. Die Macher durchforsteten den so genannten "Laiblin-Schrank" im Stadtarchiv und förderten eine umfangreiche Korrespondenz zu Tage. Spätestens seit dem Kontakt mit Theodor Fischer stieg die Zahl der Bitt-Briefe sprunghaft an. "Fischer hat ihn zum öffentlichen Mäzen gemacht", glaubt Taigel. Laiblin unterstützte zahlreiche Künstler. Nicht nur regionale Größen wie den Holzschnitzer Wilhelm Laage oder den Dichter Ludwig Finckh. Auch aus der Schweiz wurde er angepumpt. In einem Schaukasten ist erstmals ein Brief Hermann Hesses zu sehen, in dem dieser um die stolze 700 Franken bittet. Er schreibt am 30. Juni 1916: "Ich bin die Monate seit dem Tod meines Vaters, also seit wir uns damals in Stuttgart sahen, sehr krank gewesen, habe eine schwere Nervenkrise durchgemacht, (. . .)". Das Geld brauche er für einen Kuraufenthalt. Eine Zettel mit der Unterschrift Laiblins bezeugt, dass vier Tage später 500 Franken nach Bern gingen. Zahlreiche Schriftstücke belegen die Spendierfreudigkeit des Mäzens und die Dankbarkeit der Bedachten. "Allerdings ging er keine dauerhaften Zahlungsverpflichtungen ein und gab selten die ganze erbetene Summe", erläutert Taigel. Eine Gruppe blieb vom Geldsegen ausgeschlossen: Sozialdemokratische Vereine waren Laiblin politisch nicht genehm. Taigel vermutet, dass er "bewusst in Richtung National gespendet hat". Um aus dem Nachlass ein möglichst vollständiges Bild der Person zu zeichnen, werden zahlreiche private Gegenstände gezeigt: Vom Spazierstock mit Griff in Form eines Hundekopfes über Porträts bis hin zu Möbeln aus der Villa. Keine hundert Meter weiter trägt der Schwäbische Albverein seinen Teil zum Jahresmotto der Pfullinger Kulturwege "Jugendstil, Aufbruch, Zeitenwende" bei. Im Trachtenmuseum zeigt eine Sonderausstellung bürgerliche Festkleidung, darunter auch Hochzeits- und Verlobungskleider. "Wir wollten auch mal so was zeigen, nicht nur Trachten", erklärt Leiterin Hilde Walzer. Die Kleider wurden von Privatleuten gespendet und im Nähkreis des Albvereins aufwendig restauriert. Die kunstvoll verzierten Roben zu tragen war kein Vergnügen. "Da brauchte man Schnürmieder drunter, das war sehr qualvoll für die Frauen", sagt Walzer. Festliche Männerkleidung fehlt allerdings in der Ausstellung. Zylinder hat das Museum zwar in seinem Fundus, einen Abendanzug aber nicht. Spenden sind deshalb erwünscht. INFO: Die Sonderausstellungen sind bis Oktober sonn- und feiertags von 14 bis 17 Uhr zu sehen. |
Bericht: job Bild(er): Erich Sommer das aktuelle magazin: Diesen Artikel pereMail versenden |
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