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Ausgabe vom: 04. April 2003
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Sie kamen alle aus der selben Stadt im Südwesten des Nordostens. Diese Stadt war so unbedeutend, daß die Ausserirdischen bei ihren Manöverübungen immer übersahen. Sie lag damals noch in der Deutschen Dentalen Republik (DDR) und wurde später von Einwohnern der Bundesrepublik der Dentisten (BRD) kostengünstig aufgekauft. Das kleine Städchen, in dem unsere Helden das Licht der Welt erblickten: Es ist nicht mehr.


Aber eines Tages tauchte eine Rock'N'Roll-Kapelle in Pumpnitz auf: Johnny Lonny und die Lückenbüßer. Die Jungs waren so schlecht, daß sie sich nicht einmal richtige Instrumente leisten konnten. Aber sie änderten das Leben in der Stadt auf einen Schlag.


Ihr erstes Kurkonzert spielten die Fuzzies in dem kleinen Club "Zum Wiesengrund" vor einem gemischten Publikum aus 20.000 Einzelpersonen. Sie hatten noch gewisse Schwierigkeiten mit den Instrumenten; vor allem Glubsefisken wußte dann nicht so recht, wie trommeln. Aber die Kostüme saßen schon sehr gut.

The Fuzzis - Aufstieg und Fall einer Rockband


Der Tübinger SF-Schriftsteller und mehrfache Literaturpreisträger Markus Hammerschmitt wagt sich mit zwei Projekten, die durch selbstgefertigte Computergrafik unterstuetzt werden, auf das satirische Parkett. In "The Fuzzis - Aufstieg und Fall einer Rockband" berichtet er ueber eine nichtexistente Rockband in der ehemaligen DDR. In "Kosmos! Kosmos! Herrscht Ordnung in Ihrem Kopfe?" werden Werbeanzeigen aus den Fünfzigern literarisch veralbert. Hammerschmitt stellt in drei Folgen Bilder und Texte seiner "Digitalen Bilderbuecher" im Online-Magazin vor.

Die Neunziger waren das Jahrzehnt, in dem die Computergrafik endgültig Einzug in die Massenmedien nahm. Nicht nur wurden die ersten Hollywood-Filme rein am Rechner erschaffen (wie z.B. Toy Story), gegen Ende des Jahrzehnts reflektierte sich die Entwicklung bereits öffentlich selbst, indem die Frage nach der "Echtheit" von Abbildungen immer mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückte - etwa, wenn es um Kriegsberichterstattung ging, aber auch um Spielfilmprodukte wie "The Matrix".

Mich erreichte der Trend 1993, in der bescheidenen Form meines ersten PCs. Ich wollte damit weder Kriegsberichterstattung machen, noch Spielfilme - was damals auch noch weit jenseits der Leistungsfähigkeit von PCs lag, sich seitdem aber gründlich geändert hat. Ich wollte Kunst damit machen. Zunächst hatte ich die Idee, eine bestimmte Art von naiv-abstrakten Aquarellen, mit denen ich vorher eine Zeit lang experimentiert hatte, am Bildschirm besser zu planen. Immer wieder ärgerte ich mich über falsch gesetzte Bildelemente, jetzt wollte ich zuerst am Bildschirm durchspielen, was mit Papier und Pinsel weiter zu geschehen hatte.

Daraus wurde nichts. Sehr schnell begriff ich den Computer als eigenständiges Mittel der Kunst - oder doch als eine wichtige Krücke. Wäre nicht die Wundermaschine eine schöne Möglichkeit für mich - der ich nie zeichnen gelernt hatte - mit Bildern Geschichten zu erzählen? Ich probierte es aus. Die ersten Ergebnisse waren naturgemäß bescheiden. Nicht nur die zu geringe Rechenpower, auch das Fehlen eines Scanners, einer Internetanbindung und eine insuffiziente Druckertechnologie machte komplexe Projekte unmöglich. Auch meine mangelnde Expertise erwies sich als Stolperstein. Aber Spaß hatte ich von Anfang an.

Stück für Stück stellte sich die benötigte Hardware ein. Es entstanden fünf Bilderbücher, mit Hilfe verschiedener Software - erst war es vor allem CorelDraw, später Adobe Photoshop. Die Erwähnung auch dieser Helfer ist notwendig, weil sie einen ästhetischen Wechsel von der einfarbig oder gemustert gefüllten Liniengrafik zur digitalen Collage anzeigt. Allerdings: So zeitaufwändig die Arbeit daran auch wurde - meine Computerkunst blieb immer naiv. Ich bin kein Grafikdesigner. Nur die letzten beiden Projekte wiesen eine gewisse ästhetische Konsistenz auf.

"Die Fuzzis - Aufstieg und Fall einer Rockband" spielte mit dem Genre der Künstlerbiographie. Eine Rockband, deren Mitglieder man nie zu Gesicht bekommt, wird in 36 Blättern von ihrer Gründung bis zu ihrem bitteren Ende begleitet, dem Thema angemessen in einem surreal-absurden Stil, dem kein Kalauer zu schräg und kein Klischee zu platt war.

Als mir zwei Jahre später einige Dutzend verstaubte Ausgaben der Zeitschrift "Kosmos" in die Hände fielen (Einzelstücke aus den Jahrgängen 1949 - 1970), ahnte ich eine weitere Chance. Die Werbung in diesem Kronjuwel des populären Wissenschaftsjournalismus war über weite Strecken dermaßen absurd, dass sie nach einer Veralberung geradezu schrie. Ich wandte die Collagetechnik aus "Die Fuzzis" darauf an und erfand meine eigenen Geschichten zu den Anzeigen, die sie erst ins rechte Licht rückten. "Kosmos! Kosmos! Herrscht Ordnung in Ihrem Kopfe?" hieß das Ergebnis.

Veröffentlicht worden sind die Bilderbücher nie. In einem sich verengenden Buchmarkt waren die Projekte zu sperrig, um Erfolg haben zu können, selbst zwei Verlage in München, die zunächst Interesse gezeigt hatten, ließen sich nicht davon überzeugen. Dafür, dass das alles bloß auf meiner Festplatte und in irgendwelchen Ordnern verstaubt, ist es aber doch zu schade. Vielleicht kann das Internet helfen - eine Website ist immerhin geplant.

In der nächsten Folge:
Aus "Kosmos! Kosmos! Herrscht Ordnung in Ihrem Kopfe?": "Der Schwimmkerl".

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Text: Markus Hammerschmitt
Bild(er): Markus Hammerschmitt


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