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| das.magazin | Ausgabe vom: 07.März 2003 |
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"Zum Andenken" |
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![]() Ein kleiner Rundgang durch die Ausstellung. ![]() Anna Mohr, ca. 1877, Korntal Stuttgart ![]() Gertrud Paulus, ca. 1918, Neuhengstett ![]() Beate Mozer, ca. 1971, Tübingen/Kilchberg |
Das Albenblümelein Vergissmeinnicht Stolze Rosen, Blütenkörbe, viel Liebe und kein Vergessen in einer Ausstellung im "Hirsch" TÜBINGEN Ganz viel Liebe steckt in einer Ausstellung, die gestern Nachmittag in der "Hirsch"-Begegnungsstätte eröffnet wurde. Auch ganz viel Ewigkeit. Und Freundschaft. Und Rosen. Und Engel. Und intime Geständnisse, wie "Dein ewig aufrichtiger Liebhaber". Es gibt also nur gute Gründe, sich die Schau, die da heißt "Zum Andenken" anzugucken. Zuerst blätterte Brigitte Eichhorst, ehrenamtliche Ausstellungsmacherin im "Hirsch", in ihren Poesiealben und dann wollte das Blättern gar nicht mehr aufhören. Ein richtiges Blätterrauschen brach los. Denn Unmengen von Liebe und Freundschaft nisten überall auf den Dachböden und in den Kellern. Man könnte wohl noch viele Poesiealbum-Ausstellungen damit bestücken, und Kreisarchivar Wolfgang Sannwald ist sehr darauf bedacht, dass diese wichtigen Dokumente nicht verloren gehen. "Wir Archivare", appellierte er an die etwa siebzig Vernissage-Gäste, "bieten uns als Partner an." Fünfzig Alben wurden für die Schau weit geöffnet. Und buchstäblich in letzter Minute wurde den historischen Dokumenten noch ein bisschen mehr Ewigkeit hinzugefügt. Objekte aus 200 Jahren waren schon zusammengetragen worden. Doch kurz vor Schluss, so berichtete Begegnungsstätten-Leiterin Gabriele Merkle freudestrahlend bei der Vernissage, kam noch ein besonderer Schatz hinzu: Ein Album aus der Zeit um 1778. Die Kopien der Blätter, die aus dem Umkreis von Mörike stammen, haben nun einen Ehrenplatz im goldenen Rahmen. Auf seinen Seiten liest man in schön ziselierter Sütterlin-Schrift eine, gemessen an späteren Zeilen, geradezu schlichte poetische Botschaft, wie: "Wer Rosen haben will - muss die Dornen mit abpflücken." Die Poesiebücher kamen nicht gleich als Poesiebücher auf die Welt, zunächst hießen sie Stammbücher. Die ersten gab es, so erzählte Sannwald, in den vierziger Jahren des 16. Jahrhunderts. Sie wurden unter den Studenten der Uni Wittenberg weitergereicht. Seinen Höhepunkt erlebte diese Form der studentischen Buchhaltung in den Jahren zwischen 1750 und 1840, meist mit einer Scherenschnitt- Silhouette des verewigten Verbindungsbruders versehen. Im Biedermeier, wurden die Alben dann in bürgerlichen Familien zu privaten Freundschaftsbekundungen herumgereicht. Damit sind sie auch als Zeugnisse für historischen Gesellschaftsreport extrem geeignet. Ungefähr von der Mitte des 19. Jahrhunderts an kamen die Vorläufer der heutigen Poesiealben auf. Vorgefertigte Bücher mit prächtigem Titel, die Sinnsprüche wiederholten sich. Sie wurden "aus dem Steinbruch der dramatischen und lyrischen Schriftsteller gebrochen", so Sannwald.Die Sinnsprüche schlagen thematisch einen weiten Bogen. Da geht es vom berühmten Goethe-Häppchen "Edel sei der Mensch, hilfreich und gut", bis zur lapidaren Weisheit: "Kraft macht keinen Lärm, sie ist da und wirkt" (Albert Schweitzer). Sie unterliegen auch dem Geist der Zeit. Heute würde wohl niemand mehr einem Herz die Botschaft beifügen: "Sei immer treu und edel und bleib ein deutsches Mädel." Es überwiegen allerdings die Ewigkeitsbekundungen oder der Wunsch, so Sannwald, "an den gemeinsam erlebten Zeitabschnitten dauerhaft festzuhalten". Zum Beispiel so: "Wenn die Flüsse aufwärts fließen, und die Hasen Jäger schießen, und die Mäuse Katzen fressen, dann erst will ich dich vergessen." Oder prägnanter gesagt: "Liebe mich so wie ich dich. Hoppsassa, Gedankenstrich." Und ein Beispiel aus dem Jahr 1957: "Scheint des Mondes letzter Strahl, abends in dein Zimmer. Oh, so denk an mich einmal, ich verlang's nicht immer." Info: Die Ausstellung ist noch bis zum 6. April zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 14 bis 18 Uhr, Freitag 12 bis 18 Uhr sowie an den Sonntagen 16. März und 6. April von 14.30 bis 17.30 Uhr. |
Links zum Thema: Text: Ulla Steuernagel Bild(er): Erich Sommer das aktuelle magazin: Diesen Artikel pereMail versenden |
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