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Ausgabe vom: 15. November 2002
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Dany Dziuk und seine Band "Dziuks Küche".


Die Übergabe des SWR Liederpreises.

Lieder sind zu Songs geworden


Der SWR verlieh seinen Liederpreis an den Sänger Danny Dziuk

TÜBINGEN (tio). Irgendwie muss es dem Lied schlecht gehen. Niemand schreibt mehr "Lied" - es heißt jetzt nur noch Song. Gesungen wird auch immer weniger, wie Wissenschaftler feststellten, und die Protestwelle der 80er Jahre, die dem Lied einen gewaltigen Schub gab, ist längst gestrandet - in der Politik oder in der Bürgerlichkeit. Das sagt auch Konstantin Wecker, der bei der Verleihung des Liederpreises 2002 am Samstag im LTT auftrat. Wie gewohnt gab er den Rebellen - in Joop-Jeans. Wecker bekam den Preis, der das Lied fördern soll, bereits drei Mal. Dieses Mal kam er aber als Ehrengast.

Dass "das Lied" immer noch zeitgemäß ist und in mannigfaltiger Form daherkommt, zeigte der Konzertabend. Eröffnet wurde er von der Kirchheimer Gruppe W. Igel, die den Förderpreis des SWR erhielt. "Er war für uns eine große Motivation, vor allem mal wieder zu üben in den vergangenen Tagen", sagte Sänger und Namensgeber Jörg Weigele zu dem Preis. Außerdem bringt er 1550 Euro in die Bandkasse. Die Gruppe wurde für ihre originellen, wortwitzigen Texte und den eigenen musikalischen Stil ausgezeichnet, der weitestgehend auf akustischen Instrumenten aufbaut und mit stimmungsvollen und unaufdringlichen Arrangements zwischen Jazz, Folk und Rock aufwartet.

Eine 20-köpfige Jury sorgte mit ihrem Urteil dafür, dass "Dziuks Küche" in Zukunft mit 3500 Euro mehr Kapital Lieder servieren kann. Der Liedermacher Danny Dziuk und seine Band konnten nämlich den Liederpreis des Radiosenders entgegennehmen. Ausgezeichnet wurde sein Lied "In der Zeit" von seiner aktuellen Platte "Hauptsache Wind". "Man kann es beinah' greifen, doch es ist leider nicht konkret", heißt es darin. Das könnte auch eine gute Umschreibung für Dziuks Art sein, Texte zu schreiben. "Tut mir leid, Arbeiter, deine Lebenswelt hat ein Teenie aus seinem Laptop grade storniert", lautet eine Passage aus dem Lied "Hauptsache Wind". Oder: "Was anfing als Bewegung ist angekommen da, wo es trotz Sturms im Wasserglas vielleicht immer schon war" - so fasst Danny Dziuk die Gegenwart. Musikalisch wird das ganze verpackt in eine äußerst abwechslungsreiche Mischung aus Rock und Folk, bei der vor allem Bassist Moe Jaksch durch sein exzessives Kontrabass-Spiel hervorstach.

Zunehmend zu einem politischen Statement wurde Weckers Auftritt - mit knallharten Aussagen, die jedem der Attac-Aktivisten im Foyer die Freudentränen in die Augen getrieben hätte: Wecker wettert gegen rücksichtslos agierende internationale Großkonzerne und Banken; vor allem gegen George Bush, gegen die Luxuslust der Ersten Welt und natürlich gegen Fremdenfeindlichkeit. "Seien Sie vorsichtig!", ermahnte er sein Publikum. "Allein das Lesen von Geschichtsbüchern könnte Sie als antiamerikanisch entlarven."

Zuvor erlebten die Zuhörer im ausverkauften Großen Saal des LTT auch einen selbstironischen Alt-68er, der sich mit seinem Alterungsprozess auseinandersetzt und sogar bei der Liedzeile "Ich bin vorbestraft" laut lachen muss.

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Bericht: Sandro Mattioli
Bild(er): Ulrich Metz


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