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Ausgabe vom: 08. November 2002
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Das finstere Mittelalter.


Lack und Leder auf nackter Haut.


Marquis de Sade ließ grüßen.

Zum Teufel mit der Mode!


Am vergangenen Freitag sah man im Tübinger Zentrum Zoo ziemlich schwarz. Denn im Rahmen der Wave&Gothic-Veranstaltung IndepenDance fand dort die dritte Dark-Fashion Modenschau statt.

Die Gothic-Bewegung nahm ihren Anfang in den 80er Jahren. Ihr Name kommt von den englischen Gruselgeschichten des 19. Jahrhunderts wie z. B. "Frankenstein" und "Dracula", den sogenannten "gothic novels",. Die Mitglieder dieser "Schwarzen Szene" äußern ihren Hang zur melancholischen Romantik durch meist dunkle Kleidung im Stile eines Fantasy-Mittelalters und bleiches Make-up. Trotz des martialischen Äußeren und der aggressiv wirkenden Darkwave-Musik gelten die "Grufties" als eher friedfertige Zeitgenossen, sozusagen exhibitionistische Introvertierte.

Und da es auch im Reich der Schatten die Kleider sind, die Leute machen, stand am Freitag im Zoo gleich an der Kasse ein Tisch mit mannigfaltigen Flyern. Da bot die Firma "Plaste + Elaste" Lack- und Lederartikel an, bei "Beauty in Black" aus Ammerbuch gab es ganze Ausstattungen für mittelalterliche Rollenspiele und für "Fetisch-Shows" in Discotheken wurden noch MitspielerInnen gesucht. Drem Event angepasst war dann auch die Kleidung, pardon, die Gewandung der zahlreich erschienenen Besucher. Nicht wenige waren friedhofsgerecht ausstaffiert, der Rest trug zumindest Schwarz.

Unter Orgelklängen, waberndem Nebel und Fackelschein zog als erstes die Mittelaltergruppe ein. Und da das Ganze ja eine Modenschau war, wurde die "gothic-wear" dann in einer galanten Spielszene á la "Decamerone" dem Publikum rings um den Laufsteg näher gebracht. Es folgte die Abteilung "Lack und Leder". Trotz heftig eingesetzter Nebelmaschine wurde hier der kommerzielle Aspekt der Veranstaltung deutlich sichtbar. Bot doch die veranstaltende Kleiderschmiede "Art of Crazy" aus Schorndorf einen Sofort-Mitnahme-Nachlass (-Ablass?) von 25 Prozent für alle gezeigten Bodys und Accessoires direkt ab Laufsteg.

Gegen Mitternacht folgte dann die als Höhepunkt des Abends angekündigte "S&M-Performance". In dem sado-masochistisch angehauchten Act (das Publikum war inzwischen noch näher an den Ort des Geschehens herangerückt) wurde einer gefesselten Akteurin die Gefährlichkeit von (brennenden) Zigaretten nähergebracht, während ein wohlgebauter Jüngling von einer streng blickenden Dame im Leder-Korsett zuerst die Peitsche und dann flüssiges Kerzenwachs zu spüren bekam. Nun wurden auch die Zuschauer mit einbezogen, und zwar geschlechterspezifisch: Für bereitwillig niederknieende Herren gab es die Peitsche, während interessierte Damen einmal die Rolle der Domina einnehmen konnten.

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Bericht: Erich Sommer
Bild(er): Erich Sommer


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