das.magazin
Ausgabe vom: 16. August 2002
Frühere Ausgaben:


Römerfest 2002

CIN-Bilder
Samstagsthemen
das.magazin


Ein Spaziergang durch den keltisch-römischen Alltag.


Bilder vom Kampf der Römer und Kelten um die Villa Rustica.


Verhandlungen der beiden Parteien vor der Schlacht.


Es gibt Gesten, die seit Jahrtausenden auch von fremden Völkern verstanden werden.


Gerd Schollian, der 1973 die Villa Rustica entdeckte, verkündete schließlich die "Pax Romana", ein Frieden, der für die unterlegenen Völker meist recht ungünstig war.

Schlachtfeld für die Römer: die Villa rustica


Römerfest im Freilichtmuseum in Stein zieht tausende Besucher - Förderverein feiert Jubiläum

HECHINGEN/STEIN. Zu Tausenden strömten die Liebhaber des alten Roms am Wochenende nach Stein bei Hechingen in das Freilichtmuseum Villa rustica. Dort stellten 300 Akteure das Treiben aus der Zeit vor fast 2000 Jahren nach. Römische Handwerker, Auguren und Tänzer belebten das Gebiet um die Ruinen der ehemaligen Gutsanlage, und die Legionen lieferten sich handfeste Kämpfe mit den Kelten.

Schon am Samstagmittag um 13 Uhr mussten die Helfer des Römerfestes in Stein die Parkmöglichkeiten erweitern. So groß war der Zulauf zum Römerfest, das alle zwei Jahre vom Förderverein des römischen Freilichtmuseums in Hechingen veranstaltet wird. Es sei schon sehr viel Betrieb, so Gerd Schollian, erster Vorsitzender des Fördervereins, zu den Besucherzahlen, die am Ende auf knapp 10.000 geschätzt wurden. Aber man sei dafür gerüstet, versprach er. Ungefähr 30 Stände und Einrichtungen, darunter sämtliche Handwerker, Zauberer, Künstler und Soldaten, erwarteten die Besucher.

Zu sehen war, wie damals getöpfert und geschustert wurde, wie Körbe geflochten, Münzen geprägt oder Peitschen hergestellt wurden. Auch verköstigt wurden die Besucher auf die römische Art und Weise: Neben einem über dem Feuer zubereiteten ganzen Wildschwein gab es am Stand des Weingotts Bacchus auch Trauben mit Käse und Fladenbrot zu kaufen, natürlich in Verbindung mit einem guten Tropfen. Im original nachgebildeten römischen Backofen wurde außerdem frisches Brot zubereitet.

Bis auf die Soldatengruppen seien die meisten der ungefähr dreihundert Darsteller und Helfer Mitglieder des Fördervereins, so Schollian, der den nicht-professionellen Charakter des Festes unbedingt beibehalten will. So schlüpft zum Beispiel der Augur Josef Wolf nur alle zwei Jahre in sein Kostüm. Seine Aufgabe als Augur besteht darin, so erzählt er den Besuchern, die Zeichen der Götter zu lesen. Er hat unter anderem ein Huhn dabei, das er beim Fressen beobachten muss. Man habe damals durchaus auch mal eine Schlacht verschoben, wenn das Huhn des Auguren schlecht gefressen habe, erklärt er.

Am Wochenende wurden jedoch keine Schlachten verschoben. Stundenlang errichteten die Römer bereits am Morgen Schutzwalle und Gräben, um sich dann nachmittags harte Schwertkämpfe mit den Kelten zu liefern. Aus Pliezhausen, vom Niederrhein und sogar Bordeaux kamen die Gruppen, die das Spektakel inszenierten und das Lagerleben aus antiken Zeiten nachstellten. Ein weiteres Highlight des Römerfestes war der Tanz der Nereiden, der Meerjungfrauen, mit dem Gott des Meeres Neptun. Bei gewöhnungsbedürftiger Musik umgarnten dabei sechs Tänzerinnen den in der Mitte liegenden Meeresgott und trugen ihn am Ende hinaus. Wer genug vom Zusehen hatte, konnte sich auch selber als Römer probieren. Entweder man schnappte sich Pfeil und Bogen und trainierte seine Treffsicherheit am Schießstand oder man ließ sich mit Schminke, neuer Frisur und Kostüm zur Römerin umstylen. Inspirieren lassen konnte man sich von der Modenshow, die antike Kleidung vorführte.

"Wir veranstalten das größte Römerfest nördlich der Alpen", weiß Schollian, "und die Besucherzahlen steigen." Zum sechsten Mal wurde das Fest am Wochenende abgehalten, und diesen Sommer gab es dazu noch das 25-jährige Bestehen des Vereins zu feiern. Wie könnte man das besser als mit sonnigem Wetter und in authentischer Atmosphäre in der Villa rustica?

Gegraben wird in dem Freilichtmuseum auch weiterhin. Momentan legen die freiwilligen Helfer Im Westen neue Funde frei. "Wir vermuten, dass es sich bei dem Gebäude um das Haus des Schmieds handelt", so Schollian zur derzeitigen Lage. Schmiede seien damals sehr reiche Menschen gewesen, was unter anderem dadurch bewiesen wurde, dass etlich Keramik gefunden wurde. Bis das 16 auf 16 Meter große Gebiet freigelegt ist, wird es jedoch noch eine Weile dauern. "Dadurch, dass wir nur ehrenamtliche Helfer haben, müssen wir noch mit zwei bis drei Jahren Arbeit rechnen", so der Vereinsvorsitzende. Vielleicht kann dann beim nächsten Römerfest im Jahr 2004 das Gebäude eingeweiht werden.

Bildersuche:

Aus dem Archiv:
Römerfest 1998


Links zum Thema:
Homepage der Villa Rustica


Bericht: (fie)
Bild(er): Erich Sommer


das aktuelle magazin:
Hartz-Vorschläge
Riefenstahl wird 100
Bergsteigen
Stadtlauf 2002
Sieben-Täler-Höhle


Artikel vesendenDiesen Artikel per
eMail versenden



aller Fotos auf dieser Seite!