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Ausgabe vom: 25. Januar 2001
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Narrenumzug in Tübingen

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Öchsle und kleine Tiger


Narrete Späße und Histörchen vom Umzug

Mit der Zeit gedeiht auch in Tübingen der Narrensamen. Kinder und Eltern denken sich immer originellere Verkleidungen aus. Da sieht man kleine Tiger, grün-gesichtige Hexen oder Eselsohren. Und die Kleinen haben damit gute Karten, wohlwollende Blicke der "Profi-Narren" auf sich zu ziehen und viele Bonbons einzustecken.

Immer klappt das freilich auch nicht, wie gestern zu beobachten war. "Habt ihr ein Bonbon? Biiitte!" Ein kleiner Junge war mit seinen Nerven am Ende. Jetzt stand er schon in der ersten Reihe und trotzdem wurde er von den Hexen konsequent ignoriert. Irgendwann schien ihm dann ein Licht aufzugehen. Er griff in seine Tasche und zog den Programmzettel hervor. Da standen nämlich die ganzen Narrenrufe. Auf “Butter!” guckte er also blitzschnell auf seinen Zettel und schrie mit glücklicher Miene "Hex, Hex, Hex!" Aber wieder ging er leer aus. Stattdessen zeigte ihm die Hexe einen Vogel.

Andere Kinder gingen lieber gleich vorsichtshalber auf Tauchstation: Ein Kleiner drückte sein Gesicht ganz fest an den schweren Anorak seiner Mutter, Vogel-Strauß-Taktik. Die Mutti lachte verständnisheischend zu den Nachbarn. "Er hat Angst. Ist immer das Selbe." Dann lugte er hervor, just in dem Moment, als sich ein besonders gräßliches Exemplar der Gattung Hutzelweib näherte. Die Mutti lachte über ihren Sprößling, aber ehe sie sich
versah, packte das Hutzelweib nicht den Kleinen, sondern sie selbst. Schon hieng die Mittdreißigerin kopfüber von der Schulter eines hakennasigen Ungetüms und kreischte lauthals. Nach einer Rundumdrehung landete sie sanft auf ihren Pfennigabsätzen und kehrte mit hochrotem Kopf zum Sohnemann zurück. Der hatte sich köstlich amüsiert.

Überhaupt: Wer mit seiner Schönheit zu betören versucht, muss beim Fasnetsumzug einiges einstecken können. Das mussten auch vier Mädchen feststellen, die vor der Stiftskirche in der ersten Reihe standen. Denn die Narren, vor allem die Hexen, trieben mit ihnen ununterbrochen ihre makaberen und manchmal etwas fiesen Späße. Kaum war die eine aus dem Griff der Hexen befreit, wurde die andere in einen Käfig gesteckt.

Wer so etwas nicht mag, sollte um Veranstaltungen dieser Art einen weiten Bogen schlagen oder sich die Haare schwarz färben. Manche die mit Schnürschuhen zum Umzug gekommen waren, hatten einen beschwerlichen Heimweg vor sich. Die Narren hatten ihnen die Schnürsenkel geklaut. Anderen wurden die Beine mit Plastik-Riemen zusammengeschnürt. Und sie mussten tatenlos zusehen, wie die Übeltäter kichernd verschwanden. Es kann also nie schaden, beim Umzug eine Schere dabei zu haben - damit man die verschiedenen Verschnürungen wieder aufschneiden kann. Gut vorbereitet waren sie, die Zunftsprecher des Rosecker Fasnetsclubs. Von der Bühne aus erklärten sie die historischen
Hintergründe der Vereine. Der gastgebende Verein zum Beispiel,
der Rosecker Fasnetsclub, wurde vor zwölf Jahren auf Schloss
Roseck gegrünget. Damals war das Schloss noch im Bestitz der
Familie Öchsle und aus deren “Öchsleswappen” entstanden die
Rosecker Schlossochsen. Auch die neue Maske des Rosecker
Fasnetsclubs, die Tübinger “Neidköpfle”, haben ihre Geschichte.
“Neidköpfle” wurden früher zur Abschreckung an einigen Tübinger Häusern angebracht und die eigentlich sehr liebenswürdige Schreckmaske ist diesen entnommen.

Auch zu einigen Gastzünften wusste der Sprecher Heiteres und Interessantes zu erzählen. Wie zum Beispiel die Geschichte der "Hasa-Wedel" aus Boll: Zwischen Stetten und Boll soll es mal eine Treibjagt gegeben haben, auf der nur ein Hase geschossen wurde. Der sei so unglücklich gestorben, dass der vordere Teil in Stetten blieb und in Boll nur das Hinterteil, der "Hasa-Wedel". Eine andere Geschichte war die der Rottenburger "Salatweiber". In Rottenburg wurde früher viel Salat angebaut und die "Salatweiber" verkauften diesen in Tübingen und Reutlingen.

Wussten Sie, dass es sogar promovierte Narren gibt? Oder vielleicht meinte der Zunftsprecher vor der Stiftskirche nur, dass man in einer Universitätsstadt den akademische Titel nicht unterschlagen dürfe und kündigte Hailfingens Zunftmeister deshalb als "Dr. Klaus Schmid" an.

Alles in Allem konnten das Deutsche Rote Kreuz, das Technische Hilfswerk und das Tübinger Ordnungsamt, die beim gestrigen Umzug nach dem Rechten schauten, aber zufrieden sein: Keine Zwischenfälle, keine Raufereien. "Alles ruhig und friedlich", zog Rainer Kaltenmark vom Ordnungsamt Bilanz. "Wie immer halt in Tübingen."
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Der Umzug 2001
Der Umzug 2000
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Bericht: rad/roc
Bild(er): Erich Sommer


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