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Ausgabe vom: 18. Januar 2002
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Gugga-Power in Rottenburg

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Auf dem Marktplatz: die Biberengagser aus Hasle.
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Am Metzelplatz: die Pampers aus Brig.
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Gegenüber der Brunnenstube: die Schlitta-Schnitzer aus Solothurn.
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An der Staig: die Dorfchübler aus Goldach.
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Auf dem Marktplatz: die EVG aus Siebnen.
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Bunt kostümiert und superlaut


Zum ersten Mal und zur Freude des Publikums hieß es "Day and Night of Gugga" in Rottenburg

ROTTENBURG. Mit Pauken und Trompeten, fahrbaren Schlagzeugen, bemalten Posaunen und großen Sousaphonen brachten beim "Day and Night of Gugga" am Samstag zwölf Guggenmusiken aus der Schweiz, Österreich und Deutschland die Rottenburger Altstadt zum Wackeln. "Das einzige Wort, mit dem man das hier beschreiben kann, ist: geil! Die Leute sind so gut drauf", schwärmte der Obergugger der Näggr-Gugga Gerd Moll angesichts der bunten, lauten Musiker und des rappelvollen Marktplatzes.

Als Samurais verkleidet und unter harten Trommelschlägen bahnte sich die Gruppe Echo vom Grundgässli (EVG) aus Siebnen im Kanton Schwyz von der Königstraße her ihren Weg quer über den Marktplatz zur Bühne vor dem Dom, mitten durch die schunkelnde und wogende Menge. Voran schritten die sechs Mitglieder der alten Garde mit großen grausigen Reptilien- und Vogelköpfen, gehüllt in königliche purpurn, grün und golden prunkende Umhänge. Eine rosafarbene Geisha mit riesigem Kopf führte die Samurais an. Nachdem sich die Musiker auf der Bühne und die alte Garde links und rechts daneben postiert hatten, entledigte sie sich ihrer Maske und entpuppte sich als musikalischer Leiter der Truppe. Als Taktstock diente ihm ein zugeklappter chinesischer Schirm, den er wie einen Speer gegen die spielenden Musiker zu schleudern schien.

So manchem Kind, das sich soeben noch neugierig in der ersten Reihe getummelt hatte, ward es plötzlich mulmig. Zu unheimlich sah die einzige reine Männertruppe des Abends aus, selbst als die Spieler ihre Masken ablegten und ihre braun, grau und schwarz bemalten Gesichter zeigten. Weniger furchterregend die anderen Gruppen, etwa die blau glitzernden Pampers aus Brig mit ihren ausladenden Reifröcken, die Albra-Gugga mit grün-rot-gelben Häsern oder die Fröschlä-Guggä aus Mols, die auf ihren Rücken, Hüten und Trommeln grüne Frösche befestigt haben. Ihr Motto heißt: "Sei kein Frosch - küss mich!"

Die ersten Gruppen waren von 14 Uhr an nacheinander auf dem Marktplatz zu sehen, gleichzeitig begannen andere auf dem Metzelplatz, auf dem Ehgner Platz, vor der Brunnen-Stube und vor der Café-Bar im Halbstundenrhythmus zu spielen. Abends von sechs bis elf Uhr traten sie dann nacheinander auf der Marktplatzbühne auf, moderiert von Gerd Moll. "Was ihr da heute seht, das ist eine Wahnsinns-Sache", rief er begeistert ins Mikro.

Und in der Tat: Die Guggenmusiken spielen ohne Noten und vornehmlich aktuelle oder unsterbliche Schlager wie "No Woman, No Cry" von Bob Marley, "Get Back" von den Beatles, "I Can See Clearly Now" von Jimmy Cliff oder "Hot Stuff" von Donna Summer. 25 Stücke hätten sie auf Lager, berichtete Franz Hubli, Trommler der EVG, und relativierte: "mehr oder weniger". Andere können zehn bis 15, etwa die Pampers oder die Biberegagser. Jedes Jahr üben sie ein neues Programm ein. Die Größe der Guggen variiert zwischen 25 und 50 Mitgliedern, von denen am Sonntag nicht immer alle da waren. Die Bäribrommer etwa haben normalerweise noch acht Frauen dabei, aber die waren alle krank oder mussten arbeiten.

Etwas wunderlich muteten manche Instrumente an, etwa die großen Sousaphone, die sich um den Körper des Musikers schlängeln und in einem großen Trichter enden. "Bei uns sagt man Sousomat dazu", erklärte einer der Sousaphonisten. Raffiniert sahen die selbstgebauten fahrbaren Schlagzeuge aus, die sich die Trommler an ihre Hüften motiert hatten und die mit bis zu vier Getränkehaltern ausgestattet waren. Das kleine Taschencornett von Alex Fähndrich von den Bäribrommern aus Sempach war richtig goldig.

Fähndrichs Spitzname in der Gugge ist "Lexu", sein Kollege Stephan Bruttel heißt dort "Stüpfi". Ihre Spitznamen bekommen Guggenmusiker in der Regel nach einem Probejahr. Dann werden sie getauft, das heißt, sie müssen etwa Schnaps trinken und Mohrenköpfe mit dem Mund auffangen. Beliebt ist auch, dem Täufling Eier, Mehl und Wasser über den Kopf zu schütten.

Ihre Kostüme basteln die Musiker selbst oder lassen sie von der Schwester oder der Mutter nähen. Nach der Fasnet setzen sie sich zusammen und entwerfen die Kostüme für das nächste Jahr. Jeder bekommt dann die verschiedenen Stoffe, die sie ausgesucht haben, und gestaltet sein Häs selbst. Nur die EVG leisten sich drei Schneiderinnen. "Aber die Köpfe machen wir selbst", erzählte Hubli.

Die Guggenmusiken kamen bei den Zuschauern gut an, zeitweise war der Marktplatz proppenvoll. 1500 Karten seien verkauft worden, sagte Moll. Dass 450 Musiker zu sehen waren, freute ihn sehr: "Es sind alle gekommen, die zugesagt haben." Ob der "Day and Night of Gugga" irgendwann wiederholt wird und sich vielleicht sogar in Rottenburg etabliert, konnte Moll nicht sagen - es sei halt schon viel Arbeit. Die Guggenmusiker selbst hätten sicher nichts dagegen, der Begeisterung von Marco Valentinuzzi von den Dorfchüblern aus Goldach nach zu urteilen: "Ihr seid für uns das beste Publikum an diesem Abend!", ließ er die Menge wissen.
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Aus dem Archiv:
Geile Musik ganz ohne Noten


Links zum Thema:
Homepage der Näggr-Gugga


Bericht: Alexandra Wehrle
Video(s): Erich Sommer


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