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Ausgabe vom: 28. Dezember 2001
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Farb-Fotos aus den Fünfzigern

CIN-Bilder
Samstagsthemen
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Postkutsche, Schloss, Kornhaus, Jakobskirche... die Tübinger Altstadt in den Fünfzigern.


Blaue Brücke, Amerikahaus, Friedrichstraße, Gasthaus König, Europaplatz, Sternwarte... Bilder von den Randbezirken der Tübinger Altstadt.


Er belauschte die Tiere: Professor Albrecht Faber (1903-1986), Leiter der Forschungsstelle für Bioakustik der Max-Planck-Gesellschaft.


Garten bei der Alten Aula in den fünfziger Jahren.


Bei der Jakobskirche in der Unterstadt.

Der bunte Nachlass eines skurrilen Tübinger Professors


Das Stadtarchiv hat im zurückliegenden Jahr 2001 etwa tausend Farbdias aus dem Nachlass von Professor Albrecht Faber erworben.

Die Aufnahmen zeigen das Tübinger Stadtbild in den frühen fünfziger Jahren, lange vor dem Beginn der Stadtsanierung und vor dem Einsetzen des Wirtschaftswunders. Der Bestand enthält darüber hinaus viele Porträtaufnahmen, meist von stadtbekannten Persönlichkeiten, von Professoren, Kaufleuten und Handwerkern. Das Besondere daran: Die Fotos entstanden häufig en passant auf der Straße oder in der vertrauten Umgebung der Abgebildeten.

Ganz außergewöhnlich ist der Umstand, dass fast alle Aufnahmen farbig sind. Zu jener Zeit waren Colorfilme noch sehr teuer und eher selten im Einsatz. Dank der Farbe entsteht heute beim Betrachten ein sehr lebendiger Eindruck. Es grenzt dabei geradezu an ein Wunder, wie gut das Filmmaterial und die Farben in den letzten 50 Jahren erhalten blieben.

Sämtliche Aufnahmen werden dem Nachlasser, also Professor Albrecht Faber zugeschrieben. Die porträtierten Personen gehörten zu seinem persönlichen Bekanntenkreis. Die Tübinger Kernstadt, in der die meisten Bilder entstanden, war sein häusliches Umfeld, in dem er aufwuchs und wo er bis zuletzt lebte.

Vermutlich wollte Faber mit den Dias die Veränderungen im Stadtbild dokumentieren. Dabei entwickelte er ein meisterliches Gespür für die Dinge, die bald darauf verschwinden sollten: Pferdefuhrwerke auf den alt-gepflasterten Straßen, die letzte Postkutsche auf dem Marktplatz, Stöße von Brennholz vor den Häusern, Arbeitsplattformen auf dem Ammerkanal, mithin die letzten Spuren handwerklicher und landwirtschaftlicher Tätigkeit, die es damals in der Altstadt noch zu sehen gab.



Albrecht Faber wurde am 10. Februar 1903 in Aalen geboren und ist dort die ersten Jahre seines Lebens aufgewachsen. Sein Vater war der evangelische Stadtpfarrer und Dekan Hermann Faber.

1911 wurde dem Vater das Tübinger Dekanatamt übertragen. In der Folge zog die ganze Familie nach Tübingen in das schön gelegene Dekanatshaus in der Neckarhalde. Albrecht war damals 8 Jahre alt.

Der Umzug nach Tübingen - so schreibt der Dekan in seinen Lebenserinnerungen - geschah im Hinblick auf die Ausbildung des Sohnes. Sowohl die Tübinger Schulen als auch die Universität sollten dem Sohn eine bessere Startchance vermitteln.


Mit seiner Pensionierung im Jahr 1930 erwarb der alte Dekan Faber die Villa Biesinger Straße 8 am Rande der Neckarhalde. Von dort aus hat man einem wunderschönen Blick hinüber zur Altstadt. In diesem Haus lebte er bis zu seinem Tode 1945.

Der junge Albrecht studierte zunächst in Tübingen - wie es der Vater geplant hatte. Dann folgten Aufenthalte in Jena und München. 1931/32 promovierte er in Tübingen. Von Anfang an hatte er sich einem wissenschaftlich noch wenig erforschten Thema verschrieben: der Laut- und Gebärdensprache der Tiere. Stundenlang belauschte er das Zirpen von Grillen, später das Pfeifen von Singvögeln.

Faber wurde zum Begründer einer neuen Forschungsrichtung, der sogenannten Bioakustik. 1962 richtete ihm die Max-Planck-Gesellschaft dafür eine eigene Tübinger Forschungsstelle ein. Ihr Sitz war die Villa des Professors in der Biesinger Straße, bzw. das hinzu gemietete benachbarte Anwesen. Auf dem Schlossberg ließ sich Faber, der Bahnbrecher der Bioakustik, eine große Volière erbauen, in der er Singvögel züchtete und ihren Gesang studierte.

Ein Freund schrieb später über Faber, er sei von seiner Arbeit wie besessen gewesen. Er habe mit seinem feinen, musikalische Gehör etwa 40 Grillenarten an ihren Zirplauten unterscheiden können. Es war ihm sogar möglich, die Verlautbarungen der Insekten differenziert zu erfassen. (so etwa beim Paarungsverhalten oder beim Fressen). Ähnliches gelang ihm bei den Singvögeln, deren Stimmen er seit den fünfziger Jahren auf zahllosen Tonbändern festhielt.

Seine Forschungen gingen ihm über alles. So wird berichtet, dass es ihm einmal gelungen war, Karten für ein Konzert des berühmten Cellisten Pablo Casals zu ergattern. Das war auf einer Reise durch die Pyrenäen, wo Casals lebte. Als ihn aber kurz vor Konzertbeginn die Kunde vom Auftauchen einer neuen Grillenart erreichte, ließ Faber die Karten unbeachtet und zog sofort ins Gelände, um lieber den Insekten anstatt der Musik zu lauschen.

Über seiner Arbeit vergaß Faber öfters die Dinge des täglichen Lebens. Essen, das man für ihn kochte und ihm brachte, stellte er gelegentlich unbeachtet in eine Ecke, wo es dann verschimmelte. Er war der Typ des zerstreuten Professors.

Eine Ehe in den fünfziger Jahren blieb kinderlos und wurde nach kurzer Zeit wieder geschieden. Faber blieb im Alltag und bei seiner wissenschaftlichen Arbeit stets auf die Hilfe seiner Assistentinnen angewiesen.

Der skurrile Professor starb 83jährig am 17. Dezember 1986. Seinen wissenschaftlichen Nachlass übernahm das Museum für Naturkunde im Schloss Rosenstein in Stuttgart.

Bildersuche:

Aus dem Archiv:
Fotos von Wilhelm Paret im Stadtarchiv
Fotos von Paul Swiridoff im Stadtarchiv
Fotos von Ruth Balluff im Stadtarchiv


Links zum Thema:
Stadtarchiv Tübingen


Bericht: Udo Rauch
Bild(er): Albrecht Faber


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