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| das.magazin | Ausgabe vom: 14. Dezember 2001 |
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Währungsreform 1948 |
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Als das Geld wieder einen Wert hatte Erinnerungen an die Währungsreform von 1948 In wenigen Tagen wird die Mark durch den Euro abgelöst. Es ist nur ein Währungstausch. Vermögen wird dadurch keines vernichtet. Dennoch ist der Wechsel zum Euro bei vielen älteren Mitbürgern mit gemischten Gefühlen verbunden. Sie erinnern sich an die Währungsreform von 1948. Damals wurde die alte Reichsmark entwertet und durch die neue D-Mark ersetzt. Eine Erfolgsgeschichte – wie wir heute wissen. Doch wie war das damals wirklich, als alle mit 40 DM Kopfgeld neu beginnen mussten und das Ersparte über Nacht entwertet war? Sybille Müller hat für das Südwestfernsehen Tübinger Zeitzeugen befragt, Archive durchforscht und daraus eine interessante TV-Dokumentation zusammengestellt. Sendetermin war am vergangenen Samstagabend Emma Zeeb in Unterjesingen erinnert sich noch deutlich, wie sie nach dem Krieg, ihre Familie durchbringen musste: „Gott im Himmel – jetzt muss i no bettle gange“, war ihre damalige Befürchtung. Denn die Läden waren fast leergefegt. Lebensmittel konnte man praktisch nur noch beim Bauern bekommen. Sie war schon froh, wenn sie ab und zu ein wenig Mehl gegen Zwiebeln aus ihrem Garten eintauschen konnte. Der Kurs lag bei eins zu eins. Das hieß: ein Pfund Mehl gegen ein Pfund Zwiebeln. Berta Gerwig in Tübingen ging es zu jener Zeit ebenfalls schlecht. Die zugeteilten tausend Kalorien am Tag, waren zum Leben zu wenig und zum Sterben zuviel. Weil sie nicht betteln wollte und keine andere Möglichkeit zum Tauschen hatte, litt sie an Unterernährung. Immerhin erhielt sie ein paar Lebensmittelkarten mehr, als der Arzt ihren schlechten körperlichen Zustand diagnostizierte. Erstaunlich präzise erinnern sich die befragten Zeitgenossen an ihre damaligen Lebensumstände. Kein Wunder, denn es ging oft ums nackte Überleben. Wolfgang Werner, später Verkehrsdirektor beim Bürger- und Verkehrsverein, hatte damals einen Job als Garderobier beim Theater. Die Vorstellungen waren meist ausverkauft, denn die Karten waren billig und zu kaufen gab es gegen Geld sonst eh nicht viel. Das Städtetheater im Museum war aber auch Umschlagplatz für ganz andere Geschäfte. Hier befand sich die sogenannte Zigarettenbörse. Amerikanischer Zigaretten waren die inoffizielle Ersatzwährung gegen die man fast alles eintauschen konnte. Den meisten war klar, so erinnert sich Werner, dass es so nicht weitergehen konnte. Was aber bevorstand, wusste niemand so genau. Viele versuchten noch fürs alte Geld irgendwelche Dinge zu ergattern oder Schulden zu tilgen. Der große Schnitt kam dann am 20. Juni 1948. Alle Sparguthaben wurden im Verhältnis zehn zu eins abgewertet. Jeder erhielt zunächst nur 40 DM auf die Hand. Josef Bolz, damals bei der Kreissparkasse beschäftigt, erinnert sich noch, wie das Geld in Kisten angeliefert wurde. Dann begann das große Zählen. Im Film wird in einer gespielten Szene gezeigt, wie das Kopfgeld anschließend auf dem Rathaus ausgegeben wird. Es gab aber auch noch viele andere Zahlstellen. Die ersten Monate nach der Währungsreform waren relativ hart. Die Schaufenster füllten sich zwar bald mit Waren, doch das neue Geld war außerordentlich knapp. Allein die Stadtverwaltung entließ 84 Mitarbeiter, weil sie nicht mehr wusste, wie sie die Löhne bezahlen sollte. Auch das Theater war nicht mehr so voll. Den Leuten fiel der Kartenkauf zunehmend schwerer. Wolfgang Werner wurde zwar nicht entlassen, doch sein Gehalt wurde deutlich herabgesetzt. Vielfältig waren die Erinnerungen der Zeitzeugen, was sie mit dem ersten Geld angefangen haben. In der Unterjesinger Familie Zeeb galt die Maxime: „A jeder kriegt ebbes“. Aber man wollte doch nicht alles gleich auf den Kopf hauen. Eine Aufbruchstimmung lag in der Luft. Nach dem verloren Krieg und den Hungerjahren danach konnte es nur besser werden. Und so war es auch. Die D-Mark wurde zum Inbegriff der Zuverlässigkeit. Schon sechs bis acht Monate nach der Währungsreform – erinnert sich Josef Bolz – zahlten die ersten schon wieder Sparbeiträge auf ihr Konto ein. Das Wirtschaftswunder nahm seinen Lauf. |
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