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| das.magazin | Ausgabe vom: 23. November 2001 |
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Geographischer Mittelpunkt |
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![]() Geographischer Mittelpunkt Baden-Württembergs im Gewann Elysium des Käsenbachtals ![]() Entwurf des Geographischen Mittelpunkts von Rolf Nill. Modell im Stadtarchiv Tübingen ![]() Idyllischer Weg im Käsenbachtal mit kleinen Gartenhäusern. |
Ein schiefer Kegel in Tübingen markiert die Mitte des Landes
Tübingen ist zwar nicht der Nabel der Welt, aber immerhin liegt hier der geographische Mittelpunkt von Baden-Württemberg. Die exakte Stelle befindet sich im Käsenbachtal unweit des neuen Botanischen Gartens. Seit 1986 ist sie durch einen steinernen Kegel für alle Zeiten sichtbar markiert. Dass Tübingen in der Mitte des Ländles liegt, ist eine alte Erkenntnis. Schon im Königreich Württemberg schätze man die zentrale Lage. Der Studienort war von allen Landesteilen aus gleich gut zu erreichen. Als man in den 1820er Jahren darüber stritt, ob die Universität des Landes nicht besser in die Hauptstadt Stuttgart verlegt werden sollte, führte man für Tübingen nicht zuletzt dessen Lage „in der Mitte des Landes" an. Daneben sprachen für das Provinzstädtchen allerdings auch noch andere Vorzüge: vor allem dessen gesunde Luft und das gesunde Wasser. Insbesondere gehörten „die dem Jünglingsalter so gefährlichen Schwindsuchten in Tübingen zu den seltensten Übeln“. Um das weibliche Geschlecht musste man sich damals noch keine Sorgen machen. Frauen wurden erst sehr viel später zum Studium zugelassen. Wusste man in Tübingen schon damals sehr wohl um die eigene Zentralität, so brauchte diese Erkenntnis noch viele Jahrzehnte, bis sie im ganzen Lande zur anerkannten Gewissheit wurde. Erst vor etwa 20 Jahren erfolgte schließlich die wissenschaftliche Bestätigung dafür, dass die Stadt der „Nabel vom Ländle“ sei. Und das kam so: Im Herbst 1980 plante der Süddeutsche Rundfunk eine Sendung, die vom Mittelpunkt des Landes Baden-Württemberg ausgestrahlt werden sollte. Nur - wo war dieser Mittelpunkt? Vertrauensvoll wandte sich der Sender an das Landesvermessungsamt. Aber auch dort sah man sich außer Stande, auf Anhieb eine präzise Auskunft zu geben. Ein Mitarbeiter erinnert sich entschuldigend: „Schließlich gehört es nicht zu den alltäglichen Dienstaufgaben des Landesvermessungsamtes, den Flächenschwerpunkt von Baden-Württemberg zu benennen.“ Zumal dieser bis dahin noch gar nicht so genau definiert war. Besondere Schwierigkeiten machte auch der Bodensee. Denn selbstverständlich hängt die Lage des Schwerpunkts davon ab, wieviel Bodenseefläche man noch zu Baden-Württemberg rechnet. Deutschland, Österreich und die Schweiz sind bei dieser Frage aber ganz unterschiedlicher Auffassung. Also bedurfte es erst einmal eines Professors der Rechtswissenschaften, der sich dieser Frage in einem Aufsatz annahm. Wie auch immer: das Landesvermessungsamt sammelte die gewonnenen Daten, fütterte einen Computer damit und errechnete ein Gewann im Käsenbachtal, das man in Tübingen als das „Elysium“ bezeichnet. Weil man diesem Ergebnis zunächst misstraute, ließ man zwei weitere Abteilungen des Landesvermessungsamtes nachrechnen. Und siehe da – auch diese kamen zu dem gleichen Ergebnis. Der Süddeutsche Rundfunk war nun offenbar von den Rechenkünsten der staatlichen Vermesser so begeistert, dass er das Filmteam nicht wie geplant zum Mittelpunkt des Landes schickte, sondern zum Vermessungsamt in die Stuttgarter Büchsenstraße. Dort wurde dann – natürlich nachgestellt – der Computer gefilmt, wie er auf Knopfdruck (einer hübschen Dame) das spektakuläre Ergebnis ausspuckte. Sendetermin war die Abendschau am 6. Oktober 1980. Selbstverständlich hat man das wichtige Ergebnis in Tübingen gebührend zur Kenntnis genommen. Anlässlich der Landeskunstwochen im Jahre 1986 wurde der landeswichtige Punkt mit einem steinernen Kegel markiert. Den Entwurf dazu zeichnete der Leiter des städtischen Hochbauamts Professor Rolf Nill. Die Ausführung des kleinen Monuments in Muschelkalk besorgte die Bildhauer-Firma Heinrich Krauß. Der am Fuß des Kegels in Captalis-Quadrata-Schrift eingemeißelte Text lautet schlicht: Geographischer Mittelpunkt von Baden-Württemberg. Die Einweihung fand am 10. Juli 1986 statt. Auftraggeber des kleinen Nabels von Baden-Württemberg war die Stadt Tübingen. Die Kosten in Höhe von etwa 30.000 Mark übernahm jedoch nicht die Stadtkasse. Die damalige Rathausspitze suchte sich lieber ein paar private Spender und ging damit der Diskussion über Sinn und Unsinn des Vorzeige-Nabels im Gemeinderat aus dem Wege. Oberbürgermeister Eugen Schmid befürchtete Ärger aus der einen oder anderen Ecke: „Ich könnte Beispiele nennen“. So blieb die Stadtverwaltung und das Landesvermessungsamt beim feierlichen Einweihungsakt nahezu unter sich. |
Links zum Thema: Bericht: Udo Rauch Bild(er): cityinfonetz das aktuelle magazin: Diesen Artikel pereMail versenden |
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