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Ausgabe vom: 13. Juli 2001
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Friedrich Miescher (1844-1895)


Gedenktafel am Südflügel von Schloss Hohentübingen


Altes Laboratorium in der Schlossküche 1879


Miescher wohnte zuerst in der Neckarhalde 8 (rosa gestrichen), der sogenannten Feuchtei...


... später bei Mechanikus Erbe in der Neuen Straße 2 (links von der Buchhandlung Gastl).

Gedenktafel für Friedrich Miescher enthüllt

Vergangenen Freitag wurde auf Schloss Hohentübingen eine Gedenktafel für Friedrich Miescher enthüllt. Er hatte 1869 in der Schlossküche die Nukleinsäure im Zellkern entdeckt. Das ist das "N" in der später so genannten DNA, also der Erbsubstanz. Mit dieser Entdeckung gehört Miescher zu den Vätern der modernen Genforschung. Lexika zur Geschichte der Biologie erwähnen ihn heute in einer Reihe mit Darwin und Mendel.

Friedrich Miescher wurde am 13. August 1844 in Basel geboren. Er entstammte einer bekannten Schweizer Professorenfamilie. Sowohl sein Vater wie auch sein Onkel Wilhelm His gehörten der Universität Basel an.

Miescher begann nach der Schule zunächst ein Medizinstudium wandte sich aber dann der organischen Chemie zu. Der Wechsel des Faches und die Fortsetzung seiner Ausbildung hatte mit seiner Schwerhörigkeit zu tun, die ihm von einer schweren Typhuserkrankung geblieben war. Er erkannte, dass dieses Leiden für einen Arzt bei der Ausübung seines Berufs wohl eher hinderlich sein würde.

1869 kam Miescher nach Tübingen. Der bereits promovierte Doktor der Medizin wollte seine Studien bei dem Biochemiker Felix Hoppe-Seyler fortsetzen. Dessen Labor befand sich damals in der ehemaligen Schlossküche auf Hohentübingen. Es ist der heute noch bestehende gewölbte Raum im Südflügel. Der Tübinger Fotograf Paul Sinner hat ihn 1879 eindrucksvoll im Bild festgehalten (vgl. Abb.). Hier beschäftigte sich Miescher mit menschlichen Eiterzellen. Aus deren Zellkern isolierte er erstmals eine Substanz, die er "Nuclein" nannte. Die Bedeutung seiner Entdeckung sollte sich allerdings erst sehr viel später zeigen. Denn Mieschers Nuclein entpuppte sich als der Träger der Erbsubstanz (DNA).

Während seiner Tübinger Studienzeit wohnte Miescher zunächst bei Bäckermeister Johannes Feucht in der Neckarhalde 8. So ist es jedenfalls im gedruckten "Verzeichnis der Beamten, Lehrer und Studirenden der königlich württembergischen Universität Tübingen" festgehalten.

Die "Feuchtei" war damals eine beliebte Absteige und bot möblierte Zimmer. Das Haus liegt direkt an der Treppe zur Burgsteige. Zum Schloss hinauf waren es von hier aus keine fünf Minuten.

Vielleicht war Miescher das Wohnen im Gasthaus bald leid. Im folgenden Sommersemester 1869 finden wir ihn jedenfalls bei Mechanikus Christian Erbe in der Neuen Straße 2. Es ist nicht auszuschließen, dass sich Erbe und Miescher bei der Arbeit kennengelernt haben. Denn der pfiffige Mechanikus konstruierte allerhand Apparaturen für die Institute der Universität. Christian Erbe war bekanntlich der Begründer der heutigen Erbe Elektromedizin GmbH.

Miescher war lediglich etwa ein Jahr in Tübingen. Dann setzte er seine Ausbildung in Leipzig fort. Schon 1871 wurde er als Professor an die Basler Universität berufen. Erst in jenem Jahr wurde auch seine Tübinger Arbeit über das Nuclein publiziert. Hoppe-Seyler hatte die Veröffentlichung hinausgezögert, weil er die Ergenisse vorher bestätigen wollte.

Miescher setzte seine Forschungen in Basel fort. Es sollte aber anderen und einer späteren Zeit vorbehalten bleiben, die Tragweite seiner Entdeckung richtig einzuschätzen. Er starb erst 51jährig am 26. August 1895 in Davos.

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Friedrich-Miescher-Labor Tübingen


Bericht: Udo Rauch
Bild(er): cityinfonetz


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