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Ausgabe vom 15. Juni 2001
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Stocherkahnfahrt
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Ein Bilderbogen von der literarischen Bootspartie bei Nacht.

Karl Moritz Gruenbauers Erzählkunst ließ keine Langeweile aufkommen.

"Neckar-Caruso" Claus Hipp mit seinem neuem Kahn "Caruso".
Tübingens lyrische Seite

Vor einem Jahr machte der Kunsthistoriker Karl Moritz Gruenbauer mit einer außergewöhnlichen Führung durch das Kloster Bebenhausen von sich reden. Als Mönch verkleidet führte er durch die mit tausenden von Kerzen erleuchtete historische Anlage und gab einem faszinierten Publikum szenische Einblicke in das klösterliche Leben. Und auch in diesem Jahr hat er mit seiner Agentur für historische Events "Aventiure" Vielversprechendes in petto: Eine lyrische Stocherkahnfahrt vor dem Hintergrund der abendlichen Silhouette Tübingens.

Die äußeren Bedingungen für die als "besinnlich, fesselnd, romantisch und heiter" angekündigte Dichterfahrt auf dem Neckar waren am Samstag allerdings nicht gerade günstig. Doch der trotz des anhaltenden Nieselregens voll besetzte Stocherkahn legte pünktlich um 20.15 Uhr von der Anlegestelle am Hölderlinturm ab.

Allerdings musste die vorgesehene Verköstigung im Stiftsgarten dem schlechten Wetter zum Opfer fallen. Statt dessen steuerte Stocherer Claus Hipp das mächtige Blätterdach einer über den Fluss ragenden Kastanie "zum Schutz vor dem Unbill des Wetters" an. Dort wurde dann, in der Hoffnung auf Wetterbesserung, das für später vorgesehene Diner gereicht. Zu dem liebevoll zusammengestellten und hergerichteten Mahl wurden auch erlesene Weine gereicht. Zum Dessert konnte sich jeder Teilnehmer mit dem Käse-Hobel aus einem original Schweizer "Chirolle-Laib" ein (oder mehrere) Röschen drehen.

Wie auf Bestellung ließ nach dem Essen der Regen nach, und "der Nachen" setzte sich auf dem Altarm des Neckars flussaufwärts in Bewegung. Nun begann das eigentliche Programm der Fahrt, das den Gästen zwei besondere Perspektiven der Universitätsstadt vor Augen führte bzw. zu Gehör brachte. Vor dem ungewöhnlichen Anblick der Silhouette Tübingens vom Wasser aus und einer gleichsam vorbeigleitenden romantischen Landschaft rezitierte Gruenbauer u.a. aus den Werken von Hölderlin, Schiller, Uhland, Kerner und Hesse. Dabei verstand er es trefflich, immer wieder durch Histörchen aus dem Leben der Poeten einen Bezug zu Tübingen herzustellen und interessante Einblicke in die Zeit, in der sie lebten, zu geben.

An der Spitze der Neckarinsel wurde kehrtgemacht und Hipp lies den inzwischen mit Kerzen illuminierten Kahn den kleinen Neckararm hinuntertreiben. Auf Höhe der Eberhardsbrücke machte er dann seinem Titel als "Neckar-Caruso" alle Ehre, als er das Lied vom Grafen im Barte schmetterte.

Gruenbauer ließ den Abend mit besinnlichen Gedanken über die Hektik unserer modernen Zeit ausklingen und gab lyrischen Beistand für den Alltag, der am Ufer wieder auf seine Passagiere wartete. Diese betraten schließlich gegen 22.30 an der Anlegestelle bei der Jugendherberge wieder festen Boden.

INFO: Die nächste literarische Stocherkahnfahrt ist für das nächste Wochenende vorgesehen. Sie kann, ebenso wie die Sonderführungen in Tübingen und Bebenhausen, beim TAGBLATT City Shop gebucht werden.
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Aus dem Archiv:
Mittelalterliche Klosternacht in Bebenhausen CIN-Bilder vom 17.04.2000


Links zum Thema:
Homepage von "Aventiure"
Homepage des "Neckar-Carusos" Claus Hipp


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Bericht: Erich Sommer
Fotos: Erich Sommer


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